Skip to main content

Die Hörbücher zu Harry Potter

Eigentlich sind es ja Hörbücher und keine Hörspiele. Sieht man aber mal davon ab, dass hier weder Musik noch Geräusche zum Einsatz kommen, gleichen die deutschen Hörbücher zu den sieben Bänden von Harry Potter einer Meisterleistung. Denn sie werden weniger gelesen, als gespielt. Der einzige Darsteller: Rufus Beck.

Rufus Beck schafft mit seiner Stimme, was in der Hörbuchszene immer wieder mal versucht, aber selten geschafft wird: Er haucht den Figuren aus dem Buch Leben ein. Und zwar solches Leben, dass jede Figur eine eigene Stimme und damit einen eigenen Charakter erhält. Dazwischen wechselt er immer wieder in die relativ nüchterne Erzählstimme. Aber wehe, es kommen Dialoge! Dann läuft Rufus Beck zur Höchstform auf und bringt die Eigenarten der zitierten Figuren auf den Punkt. Mal bedrohlich, mal ekelhaft, mal besserwisserisch, mal weibisch, mal hart, mal ängstlich, mal zart und süß. Rufus Beck macht aus Harry und seinen Freunden sowie ihre Feinden Hörbuchfiguren, die wie auf einer Theaterbühne fürs Ohr überzeugend dargebracht werden.

Da mit der Buchlänge sich auch die Länge der sieben Hörbücher unterscheidet, könnte man Längen befürchten. Aber dank der Stimme dieses grandiosen Vorlesers, nein Erzählers, werden aus Längen des Buches keine langweiligen Szenen im Hörbuch. Beck schafft es, ganz allein durch die Abwechslung in seiner Stimmfarbe, ihrem Klang und der Betonung das Buch spannend zur Wiedergabe zu verhelfen. Und die Figuren behalten ihre von Beck erzeugten Stimmen und Besonderheiten bis zum Ende des siebten Bandes.

Hier lohnt sich das Hörbuch gleich doppelt: Zum einen gibt es die Romane über Harry Potter komplett wieder, was allein schon beste Unterhaltung ist. Zum anderen macht Rufus Beck daraus mehr, er macht aus den sieben Bänden „Hörbuchspiele“ und bringt so die Atmosphäre und Spannung aus den Romanen so überzeugend herüber, dass sie zu einem neuen Kunstwerk werden. Meisterhaft!